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Alexia Huber & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB
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Das häusliche Arbeitszimmer

Egal ob selbstständig oder angestellt: Immer mehr Erwerbstätige arbeiten auch von zu Hause aus. Für die wachsende Zahl von Home-Offices gibt es verschiedene Gründe:

  • Viele Kunden, Auftrag- oder Arbeitgeber bestehen auf kurze Reaktionszeiten – oft sogar nach Feierabend oder am Wochenende
  • Um flexibler zu sein und mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbies zu haben.
  • Telearbeitsplatz z. B. weil problemloser Zugriff auf firmeninterne Daten auch von zu Hause aus
  • Der Arbeitgeber stellt nur Poolarbeitsplätze zur Verfügung und ein freier Arbeitsplatz ist nicht gewährleistet
  • Vertriebsmitarbeitern wird wegen überwiegender Reisetätigkeit kein Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung gestellt
  • Lehrer benötigen ein Arbeitszimmer, um sich auf den Unterricht vorzubereiten und Schularbeiten zu korrigieren
  • Berater, Trainer und Coach benötigen ein Arbeitszimmer sowohl zur Vorbereitung als auch zur Durchführung von Supervisionen, etc.

 

Kein Wunder, dass die steuerliche Berücksichtigung für immer mehr Steuerpflichtige an Bedeutung gewinnt. Leider gehört die Anerkennung des häuslichen Arbeitszimmers zu den häufigsten Streitfällen zwischen Steuerpflichtigen und Finanzamt. Lesen Sie Wissenswertes hierzu in unserem Beitrag.

Wie definiert das Finanzamt das häusliche Arbeitszimmer?

Bei einem häuslichen Arbeitszimmer handelt es sich vereinfacht gesagt um einen Raum, der

  • seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist,
  • vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient und
  • ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird.

Im Einkommensteuergesetz wird das Arbeitszimmers in § 4 Abs. 5 Nr. 6 b und § 9 Abs. 5 EStG geregelt. Daneben gibt es u. a. ein BMF-Schreiben zum Arbeitszimmer vom 2.3.2011 und zahlreiche Urteilsentscheidungen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Kosten für das Arbeitszimmer anerkannt werden?

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, dass das Arbeitszimmer vom Finanzamt anerkannt wird:

Einbindung in die häusliche Sphäre

In die häusliche Sphäre ist ein Arbeitszimmer regelmäßig eingebunden, wenn es sich um einen Raum handelt, der zur privat genutzten Wohnung des Steuerpflichtigen gehört. Die Einbindung in die häusliche Sphäre ist auch dann gegeben, wenn es sich bei dem Raum lediglich um einen Zubehörraum (Speicher-, Keller-, und Abstellräume) zur Wohnung handelt.

Räumlicher Zusammenhang mit selbstgenutzter Wohnung

Laut BFH vom 15.1.2013 ist ein räumlicher Zusammenhang bereits dann gegeben, wenn man vom Wohnbereich in den Arbeitsbereich gelangt, ohne dabei auch Fremden zugängliche Bereiche zu betreten. Eine direkte Verbindung ist nicht erforderlich.

Beispiele:

  • Wohnung- und Arbeitsbereich im gleichen Stockwerk
  • Getrennte Eingänge, wenn der Weg durch den eigenen, nicht von fremden Mitbewohnern, z. B. Mietern genutzten Garten führt
  • FG Nürnberg auch bei getrenntem Gebäude, wenn z. B. Arbeitsbereich im Dachgeschoss der 20 Meter entfernen Garage auf demselben, nicht von Fremden mitbenutzten Grundstück

Kein räumlicher Zusammenhang mit der selbstgenutzter Wohnung

Ein Arbeitszimmer liegt nicht vor bzw. es ist ein Büro gegeben wenn z. B. wenn Wohnung und Arbeitsbereich in unterschiedlichen Stockwerken eines Mehrfamilienhauses mit Zugang nur über das allgemeine Treppenhaus oder getrennte Eingänge für Wohn- und Arbeitsbereich und Verbindung nur über gemeinsam mit Dritten genutzten Garten oder über öffentliche Verkehrsfläche z. B. Gehweg möglich ist.

Büroräume

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Arbeitsraum, der nach Ausstattung und Funktion vorwiegend der Erledigung betrieblicher/beruflicher Arbeiten vorwiegend büromäßiger Art dient. Dies wird insbesondere bei einer büromäßigen Einrichtung und Ausstattung des Arbeitsraums angenommen werden können. (z.B. Schreibtisch, Computer, Büroschränke, …)

Beruflich genutzter Raum

Das häusliche Arbeitszimmer wird nur anerkannt, wenn die beruflich/betriebliche Nutzung größer als 90 % ist. Hierbei ist der Nachweis vom Steuerpflichtigen zu erbringen.

Grundsätzlich muss ein separater abgeschlossener Raum vorhanden sein, der von den übrigen Räumen durch eine Wand/Tür getrennt ist. Nicht als ausreichend anzusehen ist eine sogenannte Arbeitsecke, auch wenn diese durch einen Raumteiler (Vorhang, Möbel, Sideboard) vom privaten Bereich optisch getrennt ist.

Darüber hinaus prüft das Finanzamt, ob die übrige Wohnung dem Steuerpflichtigen genügend privaten Wohnraum lässt. Feste Kriterien für solche Plausibilitätsprüfungen gibt es nicht – Anhaltspunkte sind insbesondere:

  • Verhältnis der Arbeitszimmerfläche zur Gesamtwohnfläche,
  • Anzahl der Zimmer,
  • Anzahl und Alter der Familienmitglieder sowie
  • soziale und wirtschaftliche Stellung der Familie.

 

Falls diese Voraussetzungen erfüllt sind, stellt sich noch die Frage, in welcher Höhe die Kosten des Arbeitszimmers geltend gemacht werden können:

  • Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer werden vom Finanzamt in voller Höhe anerkannt, sofern man nachweisen kann, dass das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist.
  • Falls das Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist, Ihnen jedoch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, werden die Kosten bis zu einer Grenze von 1.250 € vom Finanzamt anerkannt.

Wie berechne ich die Kosten für das Arbeitszimmer?

Kosten die nicht direkt zuzuordnen sind, müssen logischerweise anteilig für das Arbeitszimmer berechnet werden. Basis für die Ermittlung ist hierfür die Gesamtwohnfläche.

Beispiel: Die Gesamtwohnfläche beträgt 80 m²; die Größe des Arbeitszimmers beträgt 10 m²

  • 12,5 % oder 10/80m² beträgt der Anteil des Arbeitszimmers an der Wohnung

Folgende Kosten müssen u.a. anteilig berechnet werden:

  • Miete
  • Bei Immobilienbesitzern die Gebäudeabschreibung, Schuldzinsen, Reparaturen
  • Nebenkosten (Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Gebäudeversicherungen, etc.)
  • Wasser, Strom, Gas,
  • Hausratversicherung
  • Mieter- oder Eigentümer-Rechtsschutzversicherung
 

Beispielberechnung für angemietete Räume:

 

Miete pro Jahr 10.800 €
Nebenkosten pro Jahr 1.800 €
Reinigungskosten der gesamten Wohnung pro Jahr 600 €
Hausrat- und Mieterrechtschutzversicherung 100 €
Gesamtbetrag 13.300 €
Gesamtwohnfläche 80 m² = 100 %
Fläche Arbeitszimmer 10 m² = 12,5 %
Anteilig Arbeitszimmer /Wohnfläche 12,5 % bzw. 10/80 m²
Anteilige Kosten 13.300 € x 12,5 % 1.662 €
Direkt dem Arbeitszimmer zuzuordnende Kosten (z.B. Reparatur Jalousien im Arbeitszimmer, Bodenbelag) im Arbeitszimmer 100 €
Kosten für das Arbeitszimmer gesamt 1.762 €
Das Arbeitszimmer ist nicht der Mittelpunkt der beruflichen/betrieblichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen, jedoch steht ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung.

Beschränkung der Kosten auf 1.250 €

Kosten für das Arbeitszimmer 1.250 €

 

Einrichtung des Arbeitszimmers

Einrichtungsgegenstände können zusätzlich im Wege der Abschreibung geltend gemacht werden. Z. B. ein Schreibtisch, Bürodrehstuhl oder Aktenschrank. Aufwendungen für Arbeitsmittel (PC, Druckersind ebenso im Wege der Abschreibung zusätzlich ansetzbar

Nutzung des Arbeitszimmer durch mehrere Steuerpflichtige (Ehegatten)

Jeder Nutzende darf die Aufwendungen ansetzen, die er getragen hat, wenn die Voraussetzungen für den Abzug vorliegen. Besteht für beide Ehegatten nur ein beschränkter Abzug, kann jeder Ehegatten das Arbeitszimmer zu 50 % von 1.250 = 625 € bei ganzjähriger Nutzung geltend machen. Kann ein Ehegatten (Ehegatte 1) voll abziehen und der andere (Ehegatte 2) nur beschränkt, könnten die Kosten z. B. in Höhe von 4.000 € zu 50 %, also in Höhe von 2.000 auf Ehegatte 1 und max. 50 % von 1.250 = 625 € bei Ehegatte 2 geltend gemacht werden.

Arbeitsecke

Mit der Entscheidung BFH, Beschluss vom 27.07.2015, GrS /14, veröffentlicht am 28.01.2016 wurde entschieden, dass Aufwendungen für eine sog. Arbeitsecke nicht abzugsfähig sind, da derartige Räume schon ihrer Art und ihrer Einrichtung nach erkennbar auch privaten Wohnzwecken dienen.

Poolarbeitsplatz

Mit der Entscheidung des BFH vom 26.02.2014 – VI R 37/13 wird der Abzug von Aufwendungen für das Arbeitszimmer bejaht, wenn der Arbeitgeber einen Poolarbeitsplatz zur Verfügung stellt, deren Nutzung aber nicht im erforderlichen Umfang möglich ist. Ein Poolarbeitsplatz steht neben dem häuslichen Arbeitszimmer nicht als „anderer Arbeitsplatz“ zur Verfügung, wenn er nicht in dem konkret erforderlichen Umfang genutzt werden kann. Im Urteilsfall war der Abzug mit 1.250 € möglich.

Übezimmer bei Musikern

Laut BFH 10.10.2013 ist bei Musikern der Mittelpunkt der Tätigkeit dort, wo sie auftreten. Das Übezimmer ist lt. Urteil ein häusliches Arbeitszimmer und unterliegt der Abzugsbeschränkung von 1.250,00 €.

Höchstbetrag bei zwei Arbeitszimmern in einem Jahr?

Wurden in einem Jahr zwei Arbeitszimmer genutzt? Zum Beispiel wegen eines Umzuges? Dann gibt es den Höchstbetrag von 1.250 € nur einmal.

Außerhäusliches Arbeitszimmer

Bei außerhäuslichen Arbeitszimmern gilt die Abzugsbeschränkung von 1.250 € nicht. Die Aufwendungen sind in voller Höhe absetzbar.

Von einem außerhäuslichen Arbeitszimmer spricht man, wenn es sich außerhalb Ihrer Wohnung befindet. Dies ist z.B. bei der Anmietung getrennter Räume von der Wohnung der Fall – nicht aber bei umfunktionierten Kellerräumen.

Sie haben noch weitere Fragen zum Thema häusliches Arbeitszimmer? Für weitere Informationen steht Ihnen das Team der Steuerkanzlei Huber gerne zur Verfügung.

Für alle Angaben übernehmen wir keine Haftung und stelle keine Steuerberatung unserer Kanzlei dar.

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